Fulda
St. Pius
Anfahrt
Dr.-Dietz-Straße 17, 36043 Fulda
Öffnungszeit Kontaktstelle Kirchort
Mittwoch: 09:00 bis 10:00 Uhr
Für Sie in der Kontaktstelle: Sirena Barbara Spree
Außerhalb der Öffnungszeiten erreichen Sie uns im zentralen Pfarrbüro Künzell.
Geschichte
Entstehung der Pfarrei St. Pius Fulda
An der Stelle des Fuldaer Stadtteiles Ziehers-Süd, wo sich die Straßen kreuzen, die nach Papst Pius XII., der 1926 als Nuntius Pacelli in Fulda weilte, und nach dem Fuldaer Bischof Dr. Johannes Dietz benannt sind, sollte der Neubau des Gemeindezentrums und der Kirche St. Pius entstehen.
Um Schritt zu halten mit der Entwicklung der Stadt und der notwendigen religiösen Betreuung, wurde am 1. April 1967 der Pfarrbezirk Ziehers-Süd aus der ehemaligen Pfarrei St. Elisabeth herausgelöst und zur selbstständigen Kuratie erhoben. Als erster Seelsorger war Kuratus Werner Diegmüller ernannt worden.
So wurde am 1. Oktober 1967 St. Pius eine eigenständige Kirchengemeinde, nachdem im Juni 1996 schon die Vorplanung für den Bau der St.-Pius-Kirche durch den Fuldaer Architekten Kurt Staubach begonnen hatte.
Am 3. September 1967 erfolgte der erste Spatenstich und am 12. Mai 1968 die Grundsteinlegung. Der Grundstein trägt die Inschrift: ‚Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Zeiten – 1968‘.
Nachdem im August 1968 das Pfarrhaus fertiggestellt worden war, erfolgte am 18. Mai 1969 durch Bischof Dr. Adolf Bolte die Weihe der St.-Pius-Kirche, so dass sich die damalige Pfarrgemeinde mit 3.500 Katholiken über ihren neuen geistlichen Mittelpunkt freuen konnte.
Bei der Altarweihe wurden die Reliquien des heiligen Bonifatius und der heiligen Flora in den Altarstein eingelassen.
Bischof Dr. Adolf Bolte betonte in seiner Ansprache zur Weihe der Kirche, dass ‚die Kirche ein Haus Gottes ist und eine hell leuchtende Säule in der heutigen Welt‘. Weiter führte er aus: ‚Christ sein bedeutet Wanderschaft zu Christus. Im Gotteshaus sollen Christen für diese schwere Pilgerschaft in der heutigen Zeit Kraft und Mut schöpfen. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass die Kirche eine echte Wegweisung für diesen Weg geben kann.‘
Mit dem Weihetag der Kirche wurde die Pfarrkuratie zur selbstständigen Pfarrei St. Pius erhoben und Kuratus Werner Diegmüller zum ersten Pfarrer ernannt.
Ausgestaltung der St.-Pius-Kirche
Nachdem Bischof Dr. Adolf Bolte bei der Kirchweihe den Wunsch geäußert hatte, dass die neue Pfarrei St. Pius immer mehr zu einer ‚eucharistischen Gemeinde‘ werden solle, wurden seitens des Architekten Kurt Staubach und des Münchener Künstlers Johannes Leismüller mit der Hinordnung der Gemeinde zum Altar den liturgischen nach-konziliaren Erfordernissen angemessen entsprochen.
So sind der Tabernakel mit Stele sowie der Ambo und alle künstlerischen Gegenstände harmonisch in die Gestaltung des Altarraumes einbezogen. Der gesamte Altarraum strahlt Würde und Ruhe aus.
1977 wurde der Tabernakel von Schwester Lioba Munz OSB, Fulda, künstlerisch ergänzt. Hier werden Himmel und Erde symbolisiert, die sich in der Eucharistie durch die Erneuerung des Opfertodes Jesu in einmaliger Weise verbinden. Hat doch Jesus Christus am Kreuz sein Blut, das zur Erde floss, für uns vergossen und dadurch die Welt erneuert.
In der Diagonale - direkt gegenüber dem Altar - des Kirchenraumes liegt die Taufkapelle. Geschmückt wurde die Taufkapelle durch eine kleine Holzplastik des Hl. Antonius v. Padua.
So soll, durch die optische Verbindung der Altarinsel mit der Taufkapelle, Eintritt und Aufnahme des Menschen in die Gemeinschaft der Kirche durch die Taufe und die Einbindung aller Getauften in den Leib Jesu Christi in der Eucharistie eine innere geistliche Verbindung erhalten.
Die Fenster wurden von Kunstmaler Adolf Kriens aus München gestaltet. Deren Verglasung ist in erd- und firmamentfarbenen Schattierungen gehalten und von zwei orange-gelben Feldern belebt.
Wenn das Sonnenlicht durch diese Fensterfronten bricht, dann verbinden sich gleichsam Himmel und Erde und laden den Gläubigen zum betrachtenden Gebet ein. Zwar hört man die spielenden Kinder des nachbarschaftlichen Kindergartens, hört den vorbeirauschenden Hubschrauber des Klinikums, jedoch erhält dann unser Gebet einen Bezug zum pulsierenden Leben, in das wir alle hineingestellt sind.

Am 22. November 1970 wurde die Kreuzigungsgruppe aus der ehemaligen Kapelle des Fuldaer Priesterseminars zwischen Holzbalken im Altarraum angebracht.
Diese Kreuzigungsgruppe wurde 1950 von der Erfurter Künstlerin Hildegard Hendrichs aus Lindenholz gearbeitet.
Im Oktober 1972 wurde die von der Orgelbaufirma Kreienbrink erbaute neue Orgel geweiht. Es handelt sich um eine elektrisch gesteuerte Schleifladenorgel mit 18 Registern, zwei Manualen und Pedal.
Ebenfalls erhielt am 8. Dezember 1972 die Madonna ihre Weihe durch Bischof Dr. Adolf Bolte. Es handelt sich um eine Nachbildung einer barocken Madonnenstatue aus dem Fritzlarer Dom. Das Duplikat wurde vom Wiedenbrücker Künstler Hubert Hartmann angefertigt. Das Original wurde 1724 von Johannes Neudecker d. A. aus Lindenholz geschnitzt.
Der Bischof schloss seine Predigt bei der Weihe der Figur mit der Bitte: ‚Maria, lass uns ein wenig werden, wie du gewesen bist‘.
Mit der Anbringung des Kreuzweges im März 1985 wurde die Rückwand des Kirchenraumes und der Altarbereich, der von der Kreuzigungsgruppe gekrönt wird, in eine sich ergänzende Wechselbeziehung gebracht.
Dem Künstler Paul Brandenburg aus Berlin war es wichtig, den Kreuzweg als Weg der Erlösung zu sehen. Für ihn führt der Leidensweg Christi zu einem tieferen Verständnis seiner Erlösungstat.
So finden sich als Schwerpunkt in diesem Kreuzweg in St. Pius immer wieder Gruppen von Menschen, in die Jesus hineingestellt ist. So wird das Leid Jesu in Beziehung zum Leid des heutigen Menschen gebracht. – Erzbischof DDr. Johannes Dyba, der dem Kreuzweg seinen Segen spendete, bringt dies auf den Punkt, wenn er sagt: ‚Der Kreuzweg macht uns bewusst, wie Menschen mit Gott umgehen; er zeigt uns aber auch wie Gott mit den Menschen umgeht‘.²

An der Wand der nördlichen Kirchenseite entdecken wir den Patron St. Pius der 1968/1969 erbauten St.-Pius-Kirche. Zum 50-jährigen Kirchweihjubiläum war es ein Geschenk der Kirchengemeinde und es wurde am 10. März 2019 durch Pfarrer Rudolf Liebig gesegnet.
Die Künstlerin Nina Koch aus Bielefeld hat mit diesem Relief in einer gelungenen Weise die quadratischen Fensterraster des Kirchen-Inneren und die rechtwinklige Glasgestaltung in die Gestaltung der Reliefform aufgenommen.
Inhaltlich beschreibt sie in einer ersten Erläuterung zu ihrem Werk am 22.01.2018 folgendes:
‚Mein Relief zeigt den Hl. Papst Pius X. als Seelsorger (‚alles in Christus erneuern‘) und als Hirte. Die für seinen Heiligentag passenden Worte1 aus dem Johannes Evangelium ‚Weide meine Lämmer! Weide meine Lämmer!‘ (Joh. 21-1,15-17), haben mich zu der Darstellung des Papstes und Heiligen als Hirten geführt. Aber auch der Ruf vor dem Evangelium: ‚Ich bin der gute Hirt. Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.‘ (Joh 10, 14) hat mich inspiriert.‘
So sehen wir im Relief den Hl. Papst Pius X. als einen segnenden Hirten, der in seiner linken Hand einen einfachen Hirtenstab trägt, der nach oben weist. Sein weit geöffneter Segensmantel bildet einen Raum um das Lamm, das zu seinen Füßen steht.
Das Relief ist in zwei Teile gegliedert: der untere Teil ist ein Quadrat, das die Größe des Fensterrasters aufnimmt und der obere Teil ist etwas schmaler und nur 20 cm hoch. Eine Linie trennt beide Bereiche in einen oberen himmlischen und einen unteren irdischen Teil. Der Hirtenstab ragt über das gesamte Relief hinaus. Das soll heißen, dass wir in unserem Leben stets mit der Macht Gottes, d.h. mit seinem Eingreifen in unser ganz persönliches Leben rechnen dürfen.
Die Komposition des Reliefs führt unseren Blick immer wieder auch zu dem Lamm, das, von dem Mantel des Papstes umfangen, geschützt und behütet zu seinen Füßen liegt. Das Lamm richtet seinen Blick hinein in die Gemeinde, während Papst Pius X. zum Altar blickt und damit auf die Mitte der Kirche verweist.
Mit dieser Darstellung wollte die Künstlerin den Grundgedanken des göttlichen Behütetseins zum Ausdruck bringen, denn erst diese Grundgewissheit ermöglicht es uns:
‚Alles in Christo zu erneuern, auf dass Christus alles in allem sei‘
(Losung im Antrittsrundschreiben Papst Pius X. am 4.10.1903)
Alles in Christus erneuern‘ – das Leitwort von Papst Pius X. möchte uns in die Zukunft führen. Denn wer erneuern will, befindet sich in Bewegung. Unsere Zeit ist in Bewegung. Wer mag das leugnen. Natürlich sind dabei manche auch sehr wehmütig und blicken zurück auf alte, schöne Zeiten.
Erneuerung und den Wandel kann aber nur der gestalten, der Hand anlegt, der neue Wege beschreitet, der auch manch steinige Wege geht und Steine aus dem Weg räumt.
Pius X. hat das getan. Er möchte uns ermutigen gleichsam unter dem einen Mantel der Kirche von Fulda mit vielen mutigen Männern und Frauen die Kirche von morgen zu gestalten. Dazu möge dieses Bildnis und natürlich Papst Pius X. mit seiner Kirche in der Pacelliallee aufrufen.
Pfr. Rudolf Liebig
1 vgl. Tagesimpuls zum 21.August, dem Festtag von St. Pius X, Erzabtei St. Martin zu Beuron
² vgl. Festschrift: ‚25 Jahre St. Pius Fulda‘. Kirche und Gemeinde
Der Kirchenpatron
Papst Pius X. wurde als Giuseppe Sarto 1835 im italienischen Riese geboren, war Kaplan, Pfarrer, Domherr und Bischof in Mantua, Patriarch von Venedig und wurde 1903 zum Papst gewählt. Gemäß seinem Wahlspruch » Instaurare omnia in christo « (Alles in Christus erneuern) erschloss er als tiefste Quelle religiöser Kraft die Eucharistie und die Liturgie, deren Reform er 1910 anordnete; u.a. die Kinderkommunion. Am 20. August 1914 ist er verstorben; sein Grab finden wir in der Peterskirche in Rom.