Künzell
St. Antonius
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Keuloser Straße 24, 36093 Künzell
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Geschichte
Inhaltsverzeichnis
- Kirchenpatron
- Entstehung der Künzeller St. Antonius-Kirche
- Ausgestaltung der St. Antonius-Kirche - Glocken (1950-1951 und 1999)
- Ausgestaltung der St. Antonius-Kirche - Orgel
- Künstlerische Ausgestaltung der St. Antonius-Kirche - Altarbild (2008)
- Künstlerische Ausgestaltung der St. Antonius-Kirche - Windfanganlagen
- Der Kreuzweg (1952/2017)
- Der Kreuzweg - Grundgedanken der Neuinterpretation des Kreuzweges
- Der Kreuzweg - Gedanken zu den einzelnen Kreuzwegstationen
Kirchenpatron
Antonius wurde um 1195 in Lissabon geboren und stammte aus einer Adelsfamilie. Er studierte in Lissabon und empfing dort die Priesterweihe. 1220 trat er zu den Franziskanerorden über und ging zunächst als Missionar nach Marokko. Durch eine Krankheit musste er Marokko wieder verlassen und es zog in durch einen Sturm nach Sizilien. Über eine gewisse Zeit lebte er als Einsiedler bei Assisi.
Antonius galt schon zu seiner Zeit als einer der bedeutendsten Prediger. Er wirkte in seiner Zeit in Oberitalien als Ordensoberer, Studienleiter und Bußprediger. 1230 zog er sich aufgrund von Erschöpfung von seinen Ämtern zurück. Zum Ende seines Lebens unternahm er eine weitere Predigtreise nach Padua und verbrachte dort die letzten Wochen seines Lebens als Einsiedler.
Antonius starb am 13. Juni 1231 und liegt in der Basilika des Heiligen Antonius in Padua begraben. Demnach feiern wir seinen Gedenktag am 13. Juni.
Der Heilige Antonius ist der Schutzpatron der Städte Padua, Lissabon und Hildesheim. Daneben auch der Schutzpatron der Bäcker, Schweinehirten, Bergleute, Reisenden und Sozialarbeiter. Daneben wird er für das Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen.
Entstehung der Künzeller St. Antonius-Kirche
In den Jahren 1900-1902 wurde der Neugotische Vorgängerbau der jetzigen St. Antonius-Kirche errichtet und am 28.08.1902 durch Bischof Adalbert Endert, Fulda konsekriert. Die Reliquien dieser Kirche waren die der Märtyrer Fabianus, Faustinus und Flora.
Die jetzige St. Antonius-Kirche zu Künzell ist nach den Plänen des Architekten Erich Weber, Fulda-Petersberg (1927-2026), im Jahre 1968/69 auf einem Grundstück von insgesamt 5.080 m² erbaut worden. Die Konsekration der Kirche erfolgte am 26.10.1969 durch Bischof Dr. Adolf Bolte, Fulda. Die Reliquien dieser Kirche, die bei der Konsekration eingelassen wurden, sind die der Jungfrau und Märtyrerin Foelicula und des Bischofs und Bekenners Lazarius.
Es ist ein ‚stattlicher moderner Bau. … Der mit blaugrauen Granitplatten verkleidete Rundbau hat ein einmal abgesetztes Pultdach und ist von einer parabelförmigen Sichtbetonmauer eingerahmt, an deren einen Ende sich der freistehende Glockenturm erhebt. Er besteht aus zwei Sichtbetonwänden, in der der Glockenstuhl eingehängt ist.
Der Innenraum hat eine gefaltete Wandverkleidung aus Travertin, die Rückwand ist aus Sichtbeton. Ein Fensterband befindet sich zwischen den beiden versetzten Teilen der Holzdecke. Die freistehende Altarrückwand, die Altarmensa, Ambo und Sedilien wurden von Heinrich Söller, Schweinfurt, aus Muschelkalk gestaltet. Von ihm stammen auch der Tabernakel mit Abendmahlrelief, das freistehende Altarkreuz und der Deckel des Taufsteins (Taufe Jesu) aus Bronze. Eine spätgotische Madonna ist eine holzgeschnitzte Kopie der Mondsichelmadonna von Ranoldsberg um 1450.‘ (Erwin Sturm. Die Bau- und Kunstdenkmale des Fuldaer Landes. 473) (1)
Ausgestaltung der St. Antonius-Kirche - Glocken (1950-1951 und 1999)
Im Glockenturm der St. Antonius-Kirche finden wir ein Sechsgeläut vor.
Die beiden großen Glocken sind im Jahre 1999 in der Glockengießerei Alfred Bachert in Heilbronn gegossen worden. Die Glockenweihe war am 28.11.1999 durch Weihbischof Johannes Kapp.
Die größte Glocke ist dem Hl. Josef geweiht. Sie hat den Schlagton f‘+6 und wiegt 850 kg.
Die zweit-größte Glocke ist der Hl. Teresia Benedicta vom Kreuz, Edith Stein, geweiht. Sie hat den Schlagton as‘8 und wiegt 486 kg.
Beide Glocken haben am Hals und am Schlagring einen Zierreifen, auf der Flanke (Rückseite) eine kleine Plakette mit Antoniusbild und Inschrift: ST ANTONIUS VON PADUA 1231 + und Unterschrift ST. ANTONIUS KÜNZELL … über dem oberen Zierreifen befindet sich ein Kreuzchen. Diesem gegenüber steht auf der Vorderseite der Glockenname ST. JOSEF … die Umschrift lautet: HL. JOSEF ARBEIT UMD VERTRAUEN. Über dem Zierreif lesen wir: GROSS SEI IM DIENEN.
Die zweite Glocke hat am Hals ein großes Medaillon mit Linienrelief der mit einem Buch sitzenden Heiligen Edith Stein und Umschrift EDITH STEIN CHRISTLICHE PHILOSPHIN JÜDISCHE MÄRTYRERIN ERMORDET 1942 IN AUSCHWITZ.
Über dem unteren Zierreifen lesen wir ein Wort der heiligen Teresa von Avila: ‘GOTT ALLEIN GENÜGT.‘ (Objektstammblatt der Kirchengemeinde) (2)
Drei Glocken sind im Jahre 1950 (1951 - Maria-Glocke) in der Glockengießerei OTTO in Bremen-Hemelingen gegossen worden.
‚Das Vier-Geläut von 1950 ist auf die Anfangstöne des Marianischen ‚Ite missa est‘ abgestimmt (b, des, es, f) (Bonifatiusbote 1950/52, ‚Glockenweihe in Künzell‘) (3)
Die dritt-größte Glocke ist Christkönig geweiht. Sie hat den Schlagton b‘+8 und wiegt 430 kg.
Die viert-größte Glocke ist Maria geweiht. Sie hat den Schlagton des‘ +8 und wiegt 260 kg.
Die fünft-größte Glocke ist Antonius v. Padua geweiht. Sie hat den Schlagton es‘‘ +3 und wiegt 180 kg.
Die sechs-größte Glocke ist Bonifatius geweiht. Sie hat den Schlagton f‘ +8 und wiegt 130 kg. (Objektstammblatt a. a. O) (2)
Ausgestaltung der St. Antonius-Kirche - Orgel
‚Die im Jahre 1908 durch Wilhelm Sauer, Frankfurt/Oder, erstellte und 1969 durch die Gebr. Späth, Fulda, umgebaute Orgel mit zwei Manualen, dreizehn Registern und Pedalwerk steht an der Rückwand der St. Antonius-Kirche und hat einen modernen Prospekt mit neun Flachfeldern. (Erwin Sturm. Die Bau- und Kunstdenkmale des Fuldaer Landes. 474) (1)
‚Von der ursprünglichen Sauer-Orgel ist nicht mehr viel vorhanden. Selbst die vorhandenen Pfeifen lassen sich nicht mehr einwandfrei als Sauer-Pfeifen erkennen, denn auch die veränderten oder neuen Register sind seinerzeit aus alten Registerbeständen der Firma Späth entnommen. Wir vermuten, dass der Subbass 16‘, Pfeifen aus Gedeckt 8‘ und Flöte 4‘ noch aus der Sauer-Orgel sein könnten. Der Spieltisch ist neu (1969), sowie das Gehäuse und der Prospekt. Die leeren Registertasten lassen auf eine später zu erweiternde Planung schließen. Man vermutet, dass aus Kostengründen diese Erweiterung der Orgel hinausgeschoben wurde, was auch die Verwendung gebrauchten Pfeifenmaterials begründen würde.‘ (aus: Gutachten des Orgelbaumeisters Manfred Thonius, Roßtal. 2002. Pfarrarchiv St. Antonius)
Künstlerische Ausgestaltung der St. Antonius-Kirche - Altarbild (2008)
"Du Gott, hast alles nach Maß und Zahl geschaffen"
Ein Bild von Ingrid Moll-Horstmann, Paderborn
Das Thema
Das Bild „Du Gott, hast alles nach Maß und Zahl geschaffen‘“ behandelt die Zahlensymbolik im Alten und Neuen Testament. Das Alte Testament bestimmt die Blöcke und das Neue Testament die Plexiglasscheiben.
Die Zahlensymbolik im Überblick
Die Eins ist die Wurzel aller anderen Zahlen; sie steht für die Ungeteiltheit und damit für Gott. Weiterhin bedeutet die Eins HI. Weisung. „Jahwe“ findet man in den vier Ecken des Blockes.
Die Zwei steht für biblische Paare wie z.B. Adam und Eva oder Kain und Abel. Neutestamentliche Personen werden häufig mit alttestamentlichen in Verbindung gesetzt. So ist Jesus der neue Moses und Maria die neue Eva. Außerdem sollen zwei „Eins‘“ werden.
Die Drei steht für die Dreifaltigkeit, sowie die drei Tage, die Jesus im Grab gelegen hat. Eine weitere Bedeutung sind die theologischen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Augustinus ordnet die Drei der Seele zu.
Die Vier symbolisiert die vier Ströme des Paradieses (Jordan, Euphrat, Tigris, Nil). Sie steht ebenfalls für die vier Propheten im Alten Testament (Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel), sowie die vier Evangelien des Neuen Testamentes. Die Zahl Vier symbolisiert auch die vier Jahreszeiten und die Himmelsrichtungen.
Das Pentagramm (griech. mit fünf Linien) gilt im Volksglauben als „Bannzeichen gegen das Böse‘“. Man findet die Fünf in den fünf Büchern des Moses. Weiterhin hat Jesus mit fünf Broten viertausend Menschen gesättigt. Die Fünf verweist außerdem auf die fünf Extremitäten (Kopf, Arme, Beine) und die fünf Sinne. Die fünf Spitzen des Pentagramms weisen auf die Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Stärke, Mäßigkeit und Fleiß hin.
Die Auserwählung bis hin zur Vernichtung des Judentums spielt im Alten und Neuen Testament eine bedeutende Rolle. Der Davidstern geht auf Davids Sieg über Goliath zurück. Es gibt sechs Werke der Barmherzigkeit: Hungernde speisen, Durstigen zu trinken geben, Fremde aufnehmen, Nackte kleiden, Kranke pflegen und Gefangene besuchen. Die Sechs ist eine unvollkommene Zahl und weist auf die Sieben hin, darum ist das 7. Feld leer.
Die Zahl Sieben bildet sich aus der Drei und der Vier. Wenn die Drei für das Göttliche steht und die Vier für die Welt, vereint die Sieben Himmel und Erde. Es gibt sieben Gaben des Heiligen Geistes, die sieben Bitten im Vater unser, sowie sieben Sakramente.
Acht und Neun wurden von der Künstlerin ausgelassen, da sie — ihrer Meinung nach — in der Zahlensymbolik keine so große Rolle spielen.
Die zehn hellen Blöcke stehen für die Zehn Gebote. Da die Zahl Zehn aus 1+2+3+4 gebildet wird, steht sie für die Vollkommenheit.
Die Elf wurde ebenfalls von der Künstlerin ausgelassen.
Die Zwölf steht für die zwölf Söhne Jakobs, die im Neuen Testament durch die zwölf Apostel repräsentiert werden. Außerdem bestimmte die Zahl Zwölf die himmlische Stadt Jerusalem. Diese hatte 12 Tore, die Länge einer Seite des Quadrates beträgt 12.000 Stadien, 12x12 Ellen sind die Mauern hoch. In den Mauern befinden sich 12 Edelsteine, die in den gotischen Glasfenstern wieder aufscheinen.
Zusammenfassung
Das ganze Bild, das den Titel „Du Gott, St. Antonius ın Künzell hast alles nach Maß und Zahl geschaffen“ trägt, fügt sich in das Gesamtbild des Altarraums sowohl farblich, wie auch von seiner Größenordnung, harmonisch ein. Das zarte Blau verschmilzt gleichsam mit dem Grau der Altarwand.
Während das Altarbild von der Zeit spricht, weisen das große Bronzekreuz links und der Bronzetabernakel mit dem Bildnis des Abendmahls rechts auf die Ewigkeit und damit auf das ewige Leben der Christen hin. Zeit und Ewigkeit werden miteinander verbunden.
Material und Größe des Bildes
Neun Blöcke a 50x50x5 cm sind auf einer Holzplatte, darüber im Abstand von 2cm 3 Plexiglasscheiben montiert. Fünf silberne Blöcke ergeben ein gleichschenkeliges Kreuz; die Ecken füllen vier blaue Blöcke. Die Blöcke wurden zuerst mit einem Hohleisen bearbeitet, so dass schmale Bänder entstanden, die auch ein Kreuz ergeben, aber auch die Verbindung der Blöcke herstellten. Die Blöcke sind mit Acrylfarben bemalt, das Kreuz mit Metallic-Farben. Die Plexiglasscheiben wurden mit Acrylfarben bedruckt.
Künstlerische Ausgestaltung der St. Antonius-Kirche - Windfanganlagen
Gestaltung der vorhandenen Windfanganlagen durch Ingrid Moll-Horstmann (2013)
Der halbkreisförmige Kirchplatz empfängt die Menschen vor der St. Antonius-Kirche zu Künzell und begleitet sie aus der säkularen Welt durch die Stufen der Treppenanlage in einen sakralen Raum.
Die Mauern rechts und links, - so der Architekt unserer St. Antonius-Kirche Erich Weber - begleiten uns ‚Armen gleich’ in einen sakralen Raum.
Hier empfängt uns in der rechten Windfanganlage des Eingangs der Gedanke, dass der Mensch von Gott dem Schöpfer in die Welt hinein geschaffen ist (vgl. Gen 1,27 ff.). Der Bund Noahs mit Gott (vgl. Gen. 9,13f.) und die Urströme des lebendigen Wassers in der Schöpfung kehren in den Blautönen und dem Regenbogen in der Gestaltung der Künstlerin Frau Ingrid Moll-Horstmann (Paderborn) wieder.
Sie nimmt dabei in ihrer Arbeit in der Kreisform der Erdkugel den Kreisausschnitt aus dem Grundriss der Kirche wieder auf. Auch wird durch die Gestaltung die Kantigkeit der Windfanganlage gebrochen und das weiche Rund der Kirche wieder aufgenommen.
Betritt man nun den Altarraum, so erblickt man zentral das den Altarraum zierende Altarbildnis mit dem Titel ‚Gott hat alles nach Zeit und Maß gemacht’. Der Mensch, der von Gott geschaffen ist, ist nun von seinem Schöpfer in diese Zeit hineingestellt. Er kann in dieser Welt alles zählen und messen.
Jedoch weisen ihn Tabernakel und Kreuz, die in schlichtem Bronzeguss gehalten sind, auf die Ewigkeit hin.
So verlässt der Besucher der Kirche durch den linken Seitenausgang. Hier wird er von dem Bildnis in der linken Windfanganlage mit dem Johanneswort empfangen: ‚Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben’ (vgl. Joh 14,6). Das Gelb nimmt - als Weg zum ewigen Leben - den Auferstehungsgedanken auf. Die Weltkugel löst sich nach oben hin auf und wird analog zur Eingangsseite der irdischen Welt enthoben und in die himmlische Dimension geführt.
Die weißen Stellen in der Gestaltung der Windfanganlage lassen - Strömen gleich - die Türen transparenter werden. Somit werden Innen- und Außenraum der Kirche nicht voneinander isoliert. Durch diese Transparenz kann man in die Kirche hinein- und herausschauen. Das heißt: Wir schließen im sakralen Raum der Kirche die irdische Welt nicht aus.
Verlässt man nun die Kirche, dann gelangt man unter dem Kirchturm hindurch zur Anlage des Künzeller Friedhofes, dem Ort der Auferstehung, wo das genannte Wort aus dem Johannes-Evangelium seine Erfüllung finden wird.
Pfarrer Rudolf Liebig
Der Kreuzweg (1952/2017)
Allgemeines zum Kreuzweg in der St. Antonius-Kirche zu Künzell von Agnes Mann (1952) und Ingrid Moll-Horstmann (2018)
Die Kreuze heute bestehen nicht mehr aus zwei Balken und ein paar Hammerschlägen. Aber es gibt die Kreuze immer noch – Kreuzwege sind Lebenswege. Deine und meine.
Aus diesem Grunde haben wir den 1952 von der bekannten Rhönmalerin Agnes Mann höchst ausdrucksstark inszenierten Kreuzweg von Ingrid Moll-Horstmann neu interpretierten lassen, und zwar auf die heutige Zeit hin. – Nach einer 7-jährigen Entstehungsphase können auch Sie sich, kann ich mich, mit meinem Lebensweg dort wiederfinden. Ja, hier kann sich ein Jeder mit seinem Alltag, seinen Nöten und Fragen wiederfinden.
Der im Jahre 1952 geschaffene Kreuzweg erhält im Jahre 2018 durch das Anbringen auf 14 Glasstelen ein neues Hervorheben und bekommt dadurch eine neue Gewichtung im Kirchenraum der St. Antonius-Kirche zu Künzell.
Der Künstlerin Ingrid Moll-Horstmann aus Paderborn ist es gelungen, im Wechsel von klaren und unterschiedlichen Weißtönen, diese Stelen in eine gelungene Korrespondenz mit den Bildern von Agnes Mann zu bringen.
Die Stelen wurden von der Glasmalerei Peters in Paderborn mit Sandstrahlung bearbeitet, wodurch die weißen Farbtöne entstanden.
Ein blasses Gelb zieht sich markant durch die sonst dunkel gehaltenen Bilder von Agnes Mann. Deshalb findet sich in Fortführung dieses Gedankens die Farbe Gelb ab der 10. Station in den neuen, von der Künstlerin Ingrid Moll-Horstmann 2018 geschaffenen, liegend rechteckigen und im unteren Bereich der Stelen angebrachten Scheiben als Auferstehungsgedanken wieder.
Das jeweilige Motiv soll jede einzelne Station des Kreuzweges auf die heutige Zeit hin neu interpretieren.
Eine neue 15. Station symbolisiert mit ihrem hellen Licht den Auferstehungsmorgen.
Grundgedanken der Neuinterpretation des Kreuzweges
Drei Grundgedanken prägen die erwähnten Motive:
Der Weg, der Dornenzweig und der Berg.
Da ist 1. der Weg
Nach christlichem Verständnis sind wir davon überzeugt, dass ‚Gott uns den Weg führt‘ und dass er das Ziel des Weges ist. Sagt doch Jesus von sich selbst: ‚Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben‘ (Vgl. Joh 14,6).
So soll der (Kreuz-)‚weg‘ die Länge des Leidens auf diesem Weg zum Ausdruck bringen. Alle 14 Stationen auf dem Kreuz-‚weg‘ sind Erlebnisse dessen, was der Mensch in seinem Leben erfahren kann. Sind doch dies Situationen, die menschlich sind - positiv wie negativ. Deshalb haben wir jeder Station des Kreuzweges einen Satz der persönlichen Meditation auf die heutige Zeit hin angefügt. (Siehe Gedanken zu den einzelnen Kreuzwegstationen)
Ja – Kreuzwege sind Lebenswege. Lebenswege sind Kreuzwege.
Gerade weil es die Kreuze im Leben gibt, und weil auch vielleicht mir und Ihnen solche Situationen nicht erspart bleiben, brauche ich eine Religion, die das Kreuz kennt.
Dann tut es mir gut, um einen zu wissen, der weiß, was Schmerz ist, Verzweiflung, Gottverlassenheit.
Auch er wird mir zwar den Schmerz nicht nehmen können, aber das kann keine Religion.
Aber wenn einer mein Leiden mitleidet, meine Schmerzen mit aushält, meine Ohnmacht versteht und diesen Weg als Kreuzweg vorausgegangen ist, von dem kann ich spüren, dass er meinen leidvollen Weg mitgeht.
Da ist 2. der Dornenzweig
Eine Pflanze bildet Dornen zu ihrem Schutz und es sind eigentlich ‚umgebildete Blätter‘.
Und da Dornen biegbar sind, erinnern die dornigen Zweige an die Dornenkrone Jesu. Beim Kreuzweg hat man Jesus diese Dornenkrone aufgesetzt, weil er sagte: ‚Er sei der König der Juden‘. (vgl. Mt 27,11// Mk 15,18 //Lk 23,37ff.//Joh 19,3) Und weil man ihm Schmerzen bereiten wollte, musste die Krone eine Dornenkrone sein.
Betrachten wir eine Rose, so sind Dornen schön. – Dornen verlieren allerdings dann ihre Schönheit, wenn sie benutzt werden und zu einer Krone geformt werden.
Menschen werden oft benutzt und verlieren dadurch ihre Würde und Persönlichkeit. Sie sagen nicht mehr ICH oder DU. –
Und wenn jemand benutzt wird, dann wird der Lebensweg schwer und es führt zu Lebensbrüchen. – Jesus fällt dreimal unter dem Kreuz. Und auf diesem Weg werden auf unserem Kreuzweg die Dornen dreimal gebrochen.
- Wo sind Deine Lebensbrüche auf dem eigenen Lebensweg?
- Nimmst Du deine Lebensbrüche an?
- Auch wenn Lebensbrüche in Deinem Leben da sind - so ruft Dir Jesus zu - dann darfst Du das Aufstehen nicht vergessen!
Dieser unser Kreuzweg zeigt uns gerade in der 13. Station: Es liegt ein Schleier über dem Tod Jesus. Es liegt ein Schleier über deinem dornenreichen Weg. – Noch kannst Du ihn nicht verstehen bei aller Verhülltheit. So wird mancher Dornenzweig, manche Trauer zu einem kostbaren Geschenk.
Da ist 3. der Berg
Der Weg führt zum Berg oder wird im Leben der Menschen zu einem ‚Berg‘.
Der ‚Berg‘ bezeichnet einen biblischen Begriff. Allgemein betrachtet sind die Berge in der Bibel Zufluchtsstätten von Menschen und Orte der Gottesbegegnung. Hier im Kreuzweg ist die Rede vom Berg ‚Golgota‘ (vgl. Mt 27,33 // Mk 15,22 //Lk 23,33: ohne Golgota // Joh 19,17).
Wir wissen, Anstiege auf einen Berg sind oft schwer. Manche sagen uns, dass im Berg und auf dem Berg einiges passieren kann. – Aber ohne Aufstieg geht es nicht. Ohne Aufstieg geschieht keine Erlösung.
Der Berg Golgatha ist zwar der Ort des Todes Jesu. – Aber auch hier ist ein Ort der Gottesbegegnung. – ‚Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein‘, so sagt Jesus. – Gottesbegegnung.
Ein neuer Weg deutet sich an. Dornen werden in unserem Kreuzweg zu leuchtenden Nägeln und wir spüren ‚Leid leiht der Seele Flügel‘ (Pater Josef Kentenich)
Das Dornenkreuz zerfällt im Tod. Es zerfällt das Leid. Es zerfallen Lebensbrüche. ‚Der Tod wird nicht mehr sein‘ … und die Kreuzung wird zum leuchtenden Zeichen der Ewigkeit.
Und was zerfällt da nicht alles in meinem Leben?
1. Station - ‚Jesus wird zum Tode verurteilt‘
Der Dornenzweig ist ein unschuldiges Geschenk der Natur. Er wird benutzt und deshalb wird er gefährlich.
So erzählt die Dornenkrone von den Dornen unseres Lebensweges. Schmerz entsteht bei den Dornen erst dann, wenn die Dornen zur Krone werden.
Werden wir nicht auch benutzt? Lassen wir uns benutzen?
2. Station - ‚Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern‘
Bei dieser Station wird die Dornenkrone zu einem offenen Kreuz.
Geht es doch darum, sowohl das persönliche Kreuz als auch die Kreuze, die andere einem zumuten, auf dem eigenen Lebensweg bereitwillig und in einer offenen Art anzunehmen. Diese Bereitschaft zeigt, dass es gilt, im Leben auch Verletzungen anzunehmen!
Können wir unsere Verletzungen annehmen?
3. Station - ‚Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz‘
Der erste Bruch im Dornenzweig erinnert uns an die Lebensbrüche auf dem eigenen Lebensweg.
Wo sind unsere eigenen Lebensbrüche?
4. Station - ‚Jesus begegnet seiner Mutter‘
Mutter und Sohn gehen den Weg innerlich miteinander.
Beide sind im Kreuz einander zugeneigt und sich ganz nahe, so wie die Dornenzweige sich einander zuneigen.
Wem sind wir innerlich - auch und gerade – im Leid verbunden?
5. Station - ‚Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen‘
Im Leben ist es wichtig, Wege miteinander zu gehen, gerade dann, wenn wir es nicht wollen, wenn sie uns – wie Simon – zugemutet werden. Jesus beugt sich unter den Dornen tiefer (für uns!) und Simon, der hilft aufrecht zu gehen.
Mit wem gehen wir ‚Dornenwege‘?
6. Station - ‚Veronika reicht Jesus das Schweißtuch‘
Wir gehen Wege miteinander, ebenso wie Veronika ihn mit Jesus geht. Wenn auch der Tod auf unserem Lebensweg uns begleitet, so bleibt doch hier und im persönlichen Leben das Abbild, die dornenreiche Erinnerung zurück, auch wenn der Weg weitergeht.
Welche dornenreichen Erinnerungen bleiben uns?
7. Station - ‚Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz‘
Der Weg geht weiter! – Das Leben wird immer brüchiger. Der Dornenzweig bricht zum zweiten Mal.
Nehmen wir unsere Lebensbrüche an? Was können wir daraus machen?
8. Station - ‚Jesus begegnet den weinenden Frauen‘
Unsere Sünden haben ihm die Last aufgeladen. Stellvertretend für die ‚Vielen‘ geht er diesen Weg auch für uns! Was helfen uns die Tränen, wenn sie nicht die eigene Schuld beweinen? Der Zweig beugt sich, weil er sich dem Weg der ‚Vielen‘ anpasst und den Weg auf den Berg nicht mitgeht.
Wo passen wir uns an und gehen nicht mit auf den Berg?
9. Station - ‚Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz‘
Der Weg führt noch höher hinauf!
Der Dornenzweig bricht zum dritten Mal.
Auch wenn wir am Boden liegen, darf die Hoffnung auf das Aufstehen uns nicht verlassen.
Wo verlässt uns der Mut zum Aufstehen?
10. Station - ‚Jesus wird seiner Kleider beraubt‘
Der Berg ist erreicht.
Die letzte äußere Schönheit ist genommen.
Schon ersteht das Licht einer neuen Ordnung.
Legen wir all das Äußere, die Fassade ab. Kann neues Leben erstehen?
12. Station - Jesus stirbt am Kreuz
Das Dornenkreuz zerfällt im Tod.
Es zerfällt das Leid.
Es zerfallen alle Lebensbrüche.
‚Der Tod wird nicht mehr sein‘
… und die Kreuzung wird zum leuchtenden Zeichen der Ewigkeit.
Was zerfällt in unserem Leben?
13. Station - ‚Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt‘
Die Pietà – die Dornen hängen kraftlos nach unten.
Eine Mutter trauert in Würde und mit Zuversicht und zerbricht nicht in ihrer Trauer.
Sie sind noch einmal miteinander verbunden.
Sie teilt das Kreuz mit ihrem Sohn und mit anderen Menschen und ihre Trauer wird zu einem kostbaren Geschenk.
Wo wird für uns Trauer zu einem kostbaren Geschenk?
14. Station - ‚Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt‘
Grablegung,
Abschied.
Trauer braucht Zeit.
Neues Leben keimt auf.
Schenken wir uns Zeit zur Trauer!
Nachwort
Auch wenn Trauer Zeit braucht. Schenken wir uns diese Zeit zur Trauer!
Ja Kreuzwege sind Lebenswege. Deine und meine.
Ja Kreuzwege werden zu Auferstehungswegen!
Ja der Schleier ist nicht mehr da –
wir dürfen die Auferstehung schauen.
Pfarrer Rudolf Liebig